Honigernte: Wie wird Honig geerntet?

8. August 2019Michelle Klein

Hallöchen! Mein erster Blogpost wird euch heute in die Geheimnisse der Honigernte einführen, damit ihr euch nicht mehr fragen müsst, wie das Zeug eigentlich in die Gläser kommt. Das ist nämlich gar nicht so leicht und mit viel Arbeit verbunden – deswegen ist das Glas Honig im Supermarkt auch etwas teurer. Wir reden hier nicht vom billigen Honig aus der Tube! Das ist nochmal ein ganz anderes Thema…

Mein allererster Blogpost auf dieser nagelneuen Webseite, da ist man schon ein klein wenig aufgeregt. Obwohl ich ja ein mittelalter Blogging-Hase bin, ist es für mich gerade schon etwas ungewöhnlich, wieder komplett von vorne anzufangen. Für alle, die neu hier sind und mich noch nicht kennen (also nicht Mama, Papa und Verwandte sind): Ich habe bis vor kurzem einen kleinen, aber feinen DIY-Blog betrieben (Make & Mess). Aber weil mich das alles nach inzwischen 6 Jahren nicht mehr gereizt hat und der DIY-Blog-Markt ziemlich umkämpft ist, habe ich in diesem Jahr einen Schlussstrich gezogen. Übrigens: Neben DIY-Blogs gibt es auch Blogs über das Muttersein wie Sand am Meer. Als ob das Kinderkriegen was völlig Neues auf der Welt wäre, was man unbedingt anderen Müttern mitteilen müsste. Aaaber egal.

Zurück zum Thema: Ich bin Imkerin, und deswegen fange ich mal beim Grundprodukt an – Honig. Honig ist im Moment auch eine recht aktuelle Angelegenheit für mich, da ich vor etwa einem Monat meinen ersten Honig geerntet habe. Als Außenseiter mag das vielleicht unspektakulär klingen, aber für mich ist das bahnbrechend. Stellt euch mal vor, ein Lebensmittel, das man selbst hergestellt hat! Okay, es waren meine rund 200.000 Arbeiterinnen, die noch nicht mal den Mindestlohn kriegen. Immerhin stelle ich ihnen das Haus, die Wohnung müssen die sich selber bauen. Und essen müssen die sich auch selber besorgen. So gesehen beute ich die Armen ziemlich aus…

Kommen wir später darauf zurück. Viel lieber möchte ich euch jetzt zeigen, wie ich Honig geerntet habe. Aber vorher:

Honig, der auf einen Löffel fließt

Was ist Honig?

Honig ist ein von Bienen hergestelltes Lebensmittel, das eigentlich für die eigene Nahrungsversorgung erzeugt wird. Blöd nur für die Bienen, dass der Mensch vor einiger Zeit auf den Geschmack gekommen ist. Honig besteht aus dem Nektar von Blüten (aber nur bestimmten!) oder aus den zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukten von Insekten, dem Honigtau. Ja, klingt jetzt nicht so appetitlich, deswegen bin ich auch eher Fan von Blütenhonig. Honigtau ist übrigens Grundlage für Waldhonig, aber darüber schreibe ich ein anderes Mal. 

Wie stellen Bienen Honig her?

Also, die Sache mit den Bienchen und den Blümchen…nein im Ernst: Die Arbeiterbienen sammeln Blütennektar, indem sie ihn mit ihrem Rüssel aufnehmen und in der Honigblase zwischenlagern. Und schon während sie den Nektar aufnehmen, setzen sie ihm spaltende Enzyme aus speziellen Drüsen (Futtersaftdrüsen) zu. Was wir jetzt haben, ist eine Form von unreifem Honig mit einem höheren Wasser- und Saccharosegehalt (Saccharose = Haushaltszucker). Wenn die Biene dann im Stock ankommt, gibt sie den Nektar an die anderen Bienen weiter. Und das passiert dann mehrere Male. Durch das mehrmalige Abgeben und Aufnehmen werden noch mehr Säuren, Enzyme und sonstige Eiweiße eingelagert und die Struktur des enthaltenen Zuckers wird verändert. Außerdem wird der Nektar eingedickt (wichtig!), bis er einen Wassergehalt von unter 20%, besser 18% hat. Dabei entstehen Stoffe, die die Bildung von Hefen und Bakterien hemmen. Deswegen ist Honig auch so lange haltbar!

Bienen auf einer Wabe

Wie wird Honig geerntet?

Schritt 1: Honigraum aufsetzen

Los geht’s mit der Honigernte. Jetzt kommt nämlich der böse Imker ins Spiel, denn der will ja etwas abhaben vom Honig. Deswegen setze ich auf den Brutraum (der Kasten, wo eben die Bienenbrut drin ist) einen Honigraum drauf, der nur halb so hoch ist. Dazwischen kommt ein Gitter. Im Honigraum sind Holzrähmchen mit Wachsplatten, auf denen die Bienen ihre Waben bauen können. Die werden dann mit Honig befüllt. Achtung: Das ist bei meinem System so (es heißt Dadant). Andere Imker können das anders machen. Ich setze den Honigraum zu Beginn des Frühlings auf, wo es viel für die Bienen zu holen gibt. Bienen lagern nämlich nur das an Honig ein, was sie selber nicht zum Füttern der Brut oder zur Nahrungsaufnahme brauchen. 

Zwei Bienenbeuten im Garten

Und warum überhaupt setze ich für die Honigernte den Honigraum auf den Brutraum drauf? Und was soll das Gitter? Ganz einfach: Das Gitter verhindert, dass die Königin nach oben in den Honigraum wandert und da ihre Eier ablegt. Deswegen auch die getrennten Räume. Eier will ja keiner im Honig haben…

Jetzt heißt es: Warten.

Schritt 2: Verdeckelungsgrad kontrollieren

Da ich im Frühjahr sowieso jede Woche die Bienen einmal kontrollieren muss (das ist ein Thema für einen anderen Blogpost), kann ich auch immer gucken, wie weit meine Mädels sind. Denn der Honig in den Waben wird von den Arbeiterinnen mit einem weißen Wachsplättchen verdeckelt, wenn er reif ist – sprich, mindestens weniger als 20% Wassergehalt hat. Also Deckel auf und Blick in den Honigraum. Da hab ich mir schon den ein oder anderen Stich eingefangen. Wenn der Honigraum voll ist und ich ihn kaum noch heben kann – ernsthaft, ihr hättet mich mal sehen müssen – und wenn mindestens 3/4 der Honigwaben verdeckelt sind, wird’s ernst. Es ist Zeit für die Honigernte!

Honigwabe

Schritt 3: Bienenflucht aufsetzen

Jetzt hab ich nämlich reifen Honig, den ich bei der Honigernte aus den Waben schleudern kann. Aber mein Honigraum ist natürlich voller Bienen. Schöne Eiweiß-Beilage :D. Man kann das ganze natürlich auf die harte Tour machen, jedes Rähmchen einzeln herausholen und die Bienen mit einem speziellen Besen abfegen. Ist aber nicht sehr gesund für die Bienen. Oder man nimmt die Bienenflucht.

Die Bienenflucht ist ein flaches Holzbrett mit zwei Plastik-Einsparungen. Auf der einen Seite sind relativ (für Bienen) große Löcher, auf der anderen jeweils ein kleines. Wie das funktioniert? Ich packe die Bienenflucht ein bis zwei Tage, bevor ich ernten möchte, zwischen Honigraum und Brutraum – große Löcher nach oben, kleine nach unten. Da Bienen von Natur aus ständig zurück zur Königin müssen, um sich mit Pheromonen zu versorgen, haben sie auch den Drang, irgendwann wieder nach unten zu wandern. Zack! Jetzt können sie nicht mehr hoch, denn der Eingang ist zu klein. So einfach geht das.

Schritt 4: Honig schleudern

Jetzt wird’s spannend. Ich nehme die Honigräume ab und trage sie zur Honigschleuder. Oder in meinem Fall: Fahre. Denn die Schleuder steht bei meinem Imperpaten. Da entnehme ich die vollen Rähmchen und lege sie auf eine spezielle Konstruktion. Ich entferne die kleinen Wachsplättchen, die die Waben verschließen, mit einer Entdeckelungsgabel. Das Ding sieht wirklich aus wie eine große Gabel, nur mit mehr und spitzeren Zinken. Das mache ich von beiden Seiten und dann klemme ich die beiden Rähmchen in die Schleuder – das ist eigentlich nur eine Art Zentrifuge. Die Honigernte ist übrigens eine riesen Sauerei. Überall klebt Honig, man muss sich ständig die Hände waschen und wenn man Pech hat, hat man noch ein paar vereinzelte Bienen mitgebracht. Die gehen einem dann auch auf den Sack. Aber ich sage es euch, es war ein riesen Spaß und die Aussicht auf Honig macht alles wett. 

Weiter geht’s: Die nächsten zwei Rähmchen „entdeckeln“ und rein in die Schleuder, bis man alle drei Seiten mit je zwei Rähmchen gefüllt hat. Und dann ran an die Kurbel, bis der Honig unten raus durch ein Doppelsieb (für Wachsreste) in den Eimer fließt. Magisch! Und der Geruch erst! Dann noch schnell den Wassergehalt prüfen – mein Imkerpate hat ein Refraktometer – und Eimer zu. 

Schritt 5: Honig abfüllen

Ein tolles Gefühl: Nach der Honigernte zwei Eimer mit Honig im Keller stehen haben. Der Honig muss nämlich erst einmal zwei Wochen kühl und trocken lagern. So können alle Schwebstoffe und Sauerstoff an die Oberfläche steigen. In der Zwischenzeit hab ich Gläser besorgt, Etiketten gedruckt und einen Eimer mit einem Quetschhahn versehen (lassen, hihi). Und dann war es soweit! An der Oberfläche des Honigs bildet sich in den zwei Wochen weißer Schaum, den man vorsichtig mit einem Kuchenschaber abschöpfen kann. Der Schaum wird übrigens nicht weggeschmissen, der ist für den Privatgebrauch wunderbar geeignet. So, jetzt wird alles in den Eimer mit Quetschhahn gefüllt (oder in einen ordentlichen Honigtopf, der kommt nächstes Jahr). Und dann kommt der Honig auch schon in die Gläser. Glas drunter – Hahn auf – Honig raus – Hahn zu – Deckel drauf. Das Etikett darf natürlich auch nicht fehlen. Tadaaaa:

Ein Glas Honig

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