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Warum sind Bienen so wichtig?

15. August 2019Michelle Klein

Tja, warum sind Bienen eigentlich so wichtig für uns? Und warum sind generell alle Fluginsekten so wichtig und nicht bloß nervig? Dieser essentiellen Frage möchte ich mich in diesem Blogpost widmen.

Fangen wir heute mit einer kleinen persönlichen Geschichte an, die meine Mutter immer wieder gerne erzählt. Als kleines Kind habe ich auf dem Balkon den Blumenkasten beobachtet. Da wir in der Stadt wohnten, gab es keinen Garten, sondern nur einen Balkon. Besser als nix. Also, an besagtem Nachmittag hatte eine niedliche kleine Raupe meine Aufmerksamkeit gefesselt. So eine von der Sorte „Raupe Nimmersatt“, also wirklich putzig. Tja, und als ich da so meine Faszination für das Tierreich entdeckte, kam eine Wespe angeflogen und stach die Raupe tot. Ja und was macht man da als kleines Kind? Richtig, weinen. Und da haben wir (laut meiner Mutter) den Ausdruck meiner Tierliebe

Bienen auf einem Holzrähmchen

Was eigentlich gar nicht so richtig ist, denn ich liebe nicht jedes Tier. Okay, ich weine auch noch mit Mitte 20 beim Tierarzt, wenn ein von mir geretteter Vogel eingeschläfert wird. Aber da würde jeder weinen. Ich trage selbst gigantische Spinnen (maßlose Übertreibung meinerseits) um halb 5 Uhr morgens vom Badezimmer auf den Balkon, als sie einfach mit dem Staubsauger zu erledigen. Meine Tierliebe macht allerdings vor einem Tier Halt: Mücken. Die werden ausgelöscht, ohne mit der Wimper zu zucken. Wie ihr seht, hat da jeder Mensch seine eigene Grenze.

Warum sind Insekten so wichtig?

Was mich zum Thema dieses Blogposts bringt. Selbst so scheinbar sinnlose Geschöpfe wie die gemeine Stubenfliege oder Mücken haben einen Zweck auf dieser guten Erde. Bienen ja sowieso, aber dazu komme ich gleich. Um euch mal gleich am Anfang zu schocken: In den letzten 15 Jahren sind die Bestände der heimischen Insekten um über 80 Prozent (!) zurückgegangen1, und das vor allem durch Landwirtschaft und Pestizide. Einige von euch werden vielleicht denken „Geil, weniger Dreck auf der Windschutzscheibe!“. Ich will hier auch nicht als Moralapostel auftreten, schließlich töte ich Mücken (und leider auch unfreiwillig Bienen) wie ein Weltmeister.

Eine Stubenfliege auf einem Pflanzenstängel
Eine Hummel an einer Blüte

Aber eins kann ich euch sagen: Wenn das so weitergeht, können wir einpacken. Insekten dienen nämlich nicht nur Vögeln als Nahrung, sie sind auch Bestäuber für eine Vielzahl an Pflanzen. Also falls ihr jetzt gedacht habt, dass nur die Bienchen die Blümchen bestäuben, dann liegt ihr falsch. Mit dabei sind nämlich auch eure Freunde die Hummeln, Fliegen, Wespen, Schmetterlinge, und Käfer. Und natürlich auch die wilden Bienen

Und obwohl Bienen auf den einzelnen Blütenbesuch die effektivsten Bestäuber sind, weil sie dabei mehr Pollen mitnehmen, sind die anderen Insekten genauso leistungsstark, weil sie eben mehr Blüten ansteuern2. Wir brauchen also nicht nur genug Bienen, wir brauchen auch den Rest, weil sich beide Gruppen ergänzen. Also nicht „Save the bees“, eher „Save the insects“!

Eine Wespe auf einer Blume

Welche Rolle spielen Bienen in der Natur?

Kommen wir also zu den Bienen, denn die sind ja schließlich das eigentliche Thema hier. Zitat:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Albert Einstein, 1949

Der Mann hatte bekanntermaßen Ahnung. Und um euch noch ein paar Zahlen zu nennen: Fast 80 % aller Nutz- und Wildpflanzen werden von der Westlichen Honigbiene bestäubt, der Rest von Hummeln, Fliegen etc. Die Honigbiene steht damit auf Platz 3 (!) der wichtigsten Nutztiere nach Rind und Schwein. Sie ist nämlich hauptverantwortlich für gute Ernten und ökologische Vielfalt3.

Und hier noch ein paar Fakten: 

  • Von 100 Pflanzenarten, die über 90 Prozent der Nahrung der Menschen sicherstellen, werden Beobachtungen zufolge 71 von Bienen bestäubt.
  • Wenn Nutzpflanzen von Bienen bestäubt werden, erhöht das nicht nur ihren Ertrag, sondern verbessert auch die Qualität der Früchte.
  • Kulturpflanzen wie Kakao, Vanille und Maracuja sind zu 100 Prozent auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen.
Statistik über Fruchtertrag mit und ohne Bienen

Übrigens: Der wirtschaftliche Nutzen von Bienen wird auf etwa 265 Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht dem Wert der Kulturpflanzen, die durch sie bestäubt werden. Und da ist unser Honigexport noch nicht eingerechnet! Übrigens, wer etwas über die Honigernte wissen will…

Wer sich mal ein realistisches Szenario einer Welt ohne Bienen vor Augen führen will, sollte Die Geschichte der Bienen lesen. Ich sag nur so viel: Blüten müssen mit der Hand bestäubt werden…

Warum sind Bienen bedroht?

Den Bienen geht es bekanntermaßen schlecht. Das ist tatsächlich auch der Grund, warum ich überhaupt über das Imkern nachgedacht habe. Bei den meisten Imkern wird das eigentlich in der Familie weitergegeben, aber jetzt scheint eine neue Generation zu kommen.

Also: Bienen sterben, doch warum? Das hat vielfältige Gründe, und die Wissenschaft ist mit ihrer Forschung auch noch nicht ganz abgeschlossen. Wichtige Faktoren sind aber auf jeden Fall die moderne Landwirtschaft, Viren und Krankheiten sowie der Klimawandel. Die moderne Landwirtschaft zeichnet sich vor allem durch Monokulturen aus, die das benötigte, vielfältige Nahrungsangebot der Bienen einschränken. Auch lassen die Bauern ihre Felder nur kurz blühen, sodass die Insekten den Rest des Jahres Hunger leiden müssen. Und von Pestiziden will ich gar nicht erst anfangen…

Ein Feld

Was Viren und Krankheiten angeht: Die Varroamilbe bekämpfe ich selbst das ganze Jahr, aber das ist ein Thema für einen anderen Blogpost.

Ja, und dann wäre da noch der Klimawandel. Der gute alte. Der kann die Bienen aus dem Gleichgewicht bringen, durch vorgezogene Blütephasen, wärmere Winter oder starke plötzliche Temperaturschwankungen. Wenn das schon für uns nicht gut ist, ist das für die kleinen Dinger eine mittelschwere Katastrophe.

Waben mit Bienen

Fazit dieser langen Tirade und Schwarzmalerei: Überlegt euch mal gut, ob ihr nicht das nächste Mal ein paar bienenfreundliche Pflanzen auf den Balkon pflanzt. Und natürlich ein allgemeiner Beitrag gegen den Klimawandel wäre schön. Fahrrad fahren statt das Auto zu nehmen wäre schon mal ein Anfang ?

Doch neben unserem persönlichen Beitrag muss sich einiges an unserer Landwirtschaft und Industrie ändern. Sonst wird’s leer in unseren Supermarkregalen.

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