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Nicht jede Blume ist bienenfreundlich

29. August 2019Michelle Klein

This might come to you as a shock – ja, nicht jede Blume ist bienenfreundlich. Unter Imkern gibt es dafür nur wissendes Achselzucken, aber für euch könnte das jetzt was Neues sein. Und da ihr meine Zielgruppe seid und gemeinhin weniger Spezialwissen als der gemeine Imker besitzt (ich will jetzt nicht sagen, dass ihr keine Ahnung habt, ABER), ist dieses Thema definitiv einen Blogpost wert. Also, nicht jede Blume, die ihr auf Balkonen oder in Gärten seht, ist bienenfreundlich. Sie ist noch nicht einmal insektenfreundlich. Und warum das so ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ja ich weiß, ich mache hier so auf neunmalklug, und dabei bin ich gerade mal anderthalb Jahre Imkerin. Trotzdem, auch ich lerne fast täglich Neues dazu, und dieses Thema liegt mir wirklich am Herzen. Denn natürlich wird jedem dazu geraten, auf seinem Balkon oder in seinem Garten ein möglichst großes Angebot an Blumen für Insekten bereitzustellen. Aber wenn beispielsweise meine Oma ihren Balkon mit Geranien pflastert, ist auch keinem geholfen. Na gut, sieht halt nett aus. Ist aber auch Geschmackssache. 

Welche Blumen werden auf Balkonen gepflanzt?

Da wären wir schon beim Thema. Wenn man so durch die Straßen von Köln wandert (ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist), blicken einem von erstaunlich vielen Balkonen pinke oder rote Geranien entgegen. Und wie ich oben schon erwähnt habe: Geranien sind unglaublich beliebt bei älteren Menschen, aber in den letzten Jahren auch immer mehr bei jüngeren Menschen in Mode gekommen. Insbesondere weil von Züchtern immer wieder neue Sorten gezogen werden, die besonders farbenfroh und robust sein sollen. Bienenfreundlich sind die Dinger nicht, mal abgesehen davon, dass sie auf mich immer noch altbacken wirken.

Kommen wir zur nächsten „nutzlosen“ Blume, der Fuchsie. Die sehen meines Erachtens schon besser aus, fast schon exotisch. Und auch Fuchsien werden auf deutschen Balkonen immer beliebter, sie kommt außerdem gut mit Wind und Regen zurecht. Hat aber halt nur Zierfunktion.

Eine hab ich noch: Die Petunie. Die wird glaub ich auch ganz gerne bei Aldi im Sonderangebot an die Bevölkerung ausgeteilt, denn man sieht sie ebenfalls erstaunlich oft auf Balkonen. Bringt aber leider auch nichts außer etwas für’s Auge.

Jetzt habe ich die ganze Zeit über Blume gemeckert, euch aber noch gar nicht erzählt, warum diese eigentlich schönen Blumen keinen Mehrwert bieten. Dazu komme ich jetzt.

Was ist der Unterschied zwischen gefüllten und ungefüllten Blumen?

Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe früher auch gedacht, dass alle Blumen für Bienen und Insekten gut sind. Hach, wie ahnungslos ich doch damals war! So, vor etwa nem Jahr. Egal. 

Wichtig beim Thema Blumen ist hier die Zucht, denn aus dem Wunsch nach immer größeren und schöneren Blüten entwickelten sich eben Zuchtformen, die keine Nahrung mehr für Bienen und andere Insekten bieten. Gefüllte Blüten sind Blüten, die auch im Zentrum der Blüte eine vermehrte Anzahl an Blütenblättern aufweisen. „Normale“ Blüten haben da die Staubgefäße oder Staubblätter, mit denen die Blume den wichtigen Pollen herstellt. So, und die Staubblätter haben sich infolge der Mutation zurückgebildet und sind zu Kronblüten (umgangssprachlich Blütenblättern) geworden. Was noch dazu kommt: Die nektarproduzierenden Organe (Nektarien) haben sich ebenfalls zurückgebildet und können keinen Nektar mehr bereitstellen1. Da haben wir den Salat.

So, und damit ihr mir glaubt, gibt’s hier noch mal den Unterschied als Bild:

Eine Pfingstrose
Eine Ballonblume

Welche Blumen soll ich denn jetzt pflanzen?

Natürlich die ungefüllten. Ja ne, is klar, das steht im Aldi/Baumarkt/Gartencenter auch auf den Blumen drauf…Ein Anfang ist es auf jeden Fall, das nächste Mal die als „bienenfreundlich“ gekennzeichneten Blumen in den Einkaufswagen zu laden. Und nicht die, die man immer kauft. Eine Sache hat der ganze Hype um die Bienen ja: Die Läden machen schön Publicity damit und man kriegt an jeder Ecke bienenfreundliche Blumen und Blumenmischungen.

Ein Blauer Natternkopf
Ein Storchschnabel

Und falls ihr euch mal nicht sicher sein solltet: Kräuter sind quasi eine Win-Win-Situation für euch. Denn ihr habt den Geschmack der Kräuter in eurer Küche, und wenn sie anfangen zu blühen, haben die Bienen und Insekten was davon. 

Und sonst noch? Versucht, bei eurem Ausflug ins Gartencenter naturnahe und nicht überzüchtete Blumen zu kaufen. Mit Sonnenblumen könnt ihr zum Beispiel nichts falsch machen, ebenso mit Lavendel. Genauer möchte ich darauf noch in ausführlichen Blogposts eingehen, aber hier ist schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

Eine Infografik über bienenfreundliche Blumen

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