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Das Bienenvolk: Hauptsächlich Frauenarbeit

5. September 2019Michelle Klein

Hallöchen liebe Leser, heute möchte ich euch ein bisschen was darüber erzählen, wie ein Bienenvolk eigentlich so aufgebaut ist. Manche mögen es vielleicht schon wissen, einige vielleicht auch nicht. Ein Bienenvolk besteht nämlich nicht nur aus einer Art von Bienen, sondern tatsächlich aus drei: Den Arbeiterinnen, den Drohnen und der Königin. Wusstet ihr nicht? Super, dann kann ich eine Wissenslücke bei euch schließen. Was jedes „Bienengeschlecht“ so ausmacht und wie unterschiedlich sie aussehen, erfahrt ihr hier. 

Ich fange hier natürlich beim ganz grundlegenden Bienenwissen an, das auch ich in meiner ersten Stunde meines Imkerkurses gelernt habe. Auch wenn ihr jetzt sagt „Das mit der Königin und den Arbeiterinnen weiß ich schon“, gibt es noch einige interessante Details. Und gerade diese Details über das soziale Zusammenleben von Bienen in ihrem Stock macht diese Tiere so unglaublich spannend für mich. Und ihr wisst ja bereits, wie wichtig Bienen (und Insekten) für uns sind. Jetzt möchte ich euch die kleinen Tierchen näherbringen und euch für sie begeistern. Denn eines kann ich euch sagen: Die sind verdammt cool.

Bienen auf Holzrähmchen

Was sonst so gerade auf der Bienenfront abgeht: Wir haben jetzt Anfang September, also ist die Hauptarbeit für mich als Imkerin jetzt erstmal vorbei. Ich habe in den letzten Wochen für den Winter eingefüttert, das heißt den Bienen zusätzlich Zuckersirup gegeben. Diesen werden sie wie normalen Blütennektar bearbeiten (wie das geht, erfahrt ihr hier) und für schlechte Zeiten einlagern. Übrigens: Auch beim Einfüttern, wie dieser Schritt heißt, gibt es unterschiedliche Meinungen zu Material und Zeitpunkt. Manche Imker füttern mit eigenem Honig zu, manche nehmen ein anderes Zucker-Wasser Mischverhältnis usw. 

Weil jetzt natürlich nicht mehr so viel blüht, sind die Mädels dementsprechend ein bisschen „aggressiver“. Keine Angst! Sie sind nur mir gegenüber aggressiver, wenn ich den Bienenstock öffne oder sie irgendwie irritiere. Zum Beispiel, wenn ich vor dem Flugloch den Rasen mähe…Also braucht ihr euch jetzt nicht zu fürchten. Hinzu kommt, dass die Wespen meinen Arbeiterinnen gerade ziemlich auf den Sack gehen. Aber das gehen sie euch auch, oder?

Wie viele Bienen leben in einem Bienenvolk?

Man kann natürlich keine pauschale Zahl nennen, da sich jedes Volk vom anderen unterscheidet. Es gibt also stärkere und schwächere Völker. Die Stärke eines Volkes hängt davon ab, wie viele Eier die Königin legt, und das hängt von ihrer Genetik ab. Wer also ein besonders starkes Volk haben will (= mehr Honig), der holt sich als Imker eine Zucht-Königin, die schon mal mehrere 100€ kosten kann. Ich weiß, was ihr denkt: Sachen gibt’s. So und dann hängt die Stärke des Volkes natürlich auch von der Jahreszeit ab. Im Herbst sollten mindestens 5.000 Bienen im Volk vorhanden sein, sonst wird das Überleben im Winter schwierig. Im Juni können es dann so 40.000 bis 50.000 Bienen pro Volk sein. Ich habe also zu Spitzenzeiten mit meinen drei Völkern etwa 150.000 Bienen im Garten stehen. Bisschen gruselig.

Ein Flugloch einer Bienenbeute

Das Oberhaupt: Die Bienenkönigin

Die Königin ist das Oberhaupt des Bienenvolkes und die einzige Biene im Stock, die Eier legt. Hast du also keine Königin mehr, hast du bald auch kein Bienenvolk mehr. Das ist tatsächlich gar nicht so unwichtig, weil Bienenköniginnen auch mal verloren gehen können. Oder du tötest sie aus Versehen (ups). Okay, das klingt hart, kann aber tatsächlich passieren, und das ganz sicher nicht mit Absicht. Also: Königin = wichtig. 

Eine Zeichnung einer Bienenkönigin

Auch Bienenköniginnen schlüpfen aus ganz normalen, befruchteten Eiern, die von einer früheren Königin gelegt wurden. Allerdings werden diese Eier nicht in normalen Zellen, sondern in so genannten „Weiselzellen“ (Weisel heißt Königin). Diese hängen meist am Rand einer Bienenwabe oder, wenn die Arbeiterinnen ganz gemein sind, mitten drauf oder unten dran. Warum das gemein ist, würde ich euch in einem anderen Blogpost erzählen. Nur so viel: Auch wenn ein Volk schon eine Königin hat, legt es Weiselzellen an, in denen noch mehr Königinnen heranwachsen können. Allerdings kann ein Volk nur eine Königin haben. Ja, und da haben wir das „Problem“, das eigentlich nur eines für den Imker ist. Aber mehr dazu später.

Also, die Königin wächst für 16 Tage in der Weiselzelle heran und wird nur mit Gelée royale gefüttert. Einige von euch kennen das vielleicht aus der Kosmetik. Es ist der Futtersaft, der in den Kopfdrüsen der Arbeiter-Bienen produziert wird. Die sind quasi der Euter der Bienen und das Gelée royale die Milch. Na, jetzt wo ihr’s wisst: Immer noch kaufen? Ein bis zwei Wochen nach dem Schlüpfen begibt sich die junge Königin auf den Hochzeitsflug, auf dem sie sich mit mehreren Drohnen, den männlichen Bienen, paart. Nicht nur mit den Drohnen des eigenen Volkes, sondern auch mit fremden Drohnen. So kommt frisches Erbgut ins Volk. So, und das ist eigentlich fast das einzige Mal, an dem die Königin den Stock verlässt. Ist übrigens auch riskant, denn sie kann dann von Vögeln gefressen werden (deswegen gehen Königinnen auch manchmal verloren).

Eine Bienenkönigin zwischen Arbeiterinnen

Jetzt beginnt die Königin mit ihrer eigentlichen Aufgabe: Eiablage. Sie kann bis zu 2.000 Eier pro Tag legen! Sie tut eigentlich den ganzen Tag nichts Anderes, und wird von ihren Arbeiterinnen sogar gefüttert. Eigentlich kann die Alte nicht viel, ist aber halt trotzdem ziemlich wertvoll. Eine Königin wird maximal 5 Jahre alt, kann aber schon vorher vom Volk „abgesetzt“ werden.

Und zwar deswegen: Die Königin hält das Volk mit ihrem Pheromon (Duft) zusammen. Durch ständiges Belecken der Königin durch die Arbeiterinnen wird dieser Duft im Volk verteilt. Wird die Königin dann älter, nimmt die Intensität des Pheromons ab und die Arbeiterinnen setzen die alte Königin ab. Heißt: Sie töten die alte Königin und schaffen sich eine neue. Klingt brutal, ist aber effektiv. Natur eben.

Ach so: Obwohl die Königin um einiges größer ist als ihr Bienenvolk, ist es verdammt schwer, die Alte unter 50.000 Bienen zu finden. Deswegen wird sie meistens mit einem kleinen Punkt auf dem Rücken markiert. Die Farbe des Punktes gibt dabei das Alter an, denn die Farben wiederholen sich alle 5 Jahre. Eine Königin mit einem Punkt zu versehen, ist auf jeden Fall eine nicht ganz so einfache Aufgabe, deswegen hab ich das auch erst einmal geschafft. Meine anderen beiden Königinnen habe ich schon markiert gekauft.

Die Fleißige: Die Arbeiterin

Arbeiterinnen machen zahlenmäßig den größten Anteil im Bienenvolk aus und sind, wie der Name schon sagt, wahre Arbeitstiere. Nicht umsonst sagt man „Fleißiges Bienchen“. Arbeiterinnen durchlaufen in ihrem Leben mehrere Berufe.

  1. Putzbiene: Sie reinigt die Waben und den Bienenstock.
  2. Ammenbiene: Sie versorgt den Nachwuchs und die Königin mit Futter.
  3. Baubiene: Sie schwitzt das Wachs aus und formt mit dem Rüssel die Waben.
  4. Heizerin: Sie sorgt durch Flügelschlagen für die richtige Stocktemperatur.
  5. Wächterin: Sie verteidigt den Bienenstock gegen Eindringlinge.
  6. Sammlerin: Sie sammelt Nektar, Pollen und Wasser und produziert Honig. Das ist die gefährlichste Aufgabe der Arbeiterin, weil sie außerhalb des Stocks und alleine ist.
Eine Zeichnung einer Arbeiterin
Arbeiterinnen eines Bienenvolkes

Um das Volk zu verteidigen, haben Arbeiterinnen einen Stachel, den sie unter Einsatz ihres Lebens einsetzen können. Also egal, wie sehr der Stich weh tut (glaubt mir, ich weiß wovon ich rede): Die Biene ist definitiv schlechter dran.

Arbeiterinnen entstehen wie die Königin aus befruchteten Eiern, werden jedoch nur ganz kurz mit Gelée royale gefüttert, danach mit Honig und Pollen. Im Sommer geborene Arbeiterinnen leben übrigens nur etwa 40 Tage. Bienen, die im September geboren werden, leben aufgrund größerer Energiereserven im Körper und weniger Arbeit (kein Sammeln, keine Pflege von Nachwuchs) bis zu 6 Monate. Man nennt sie auch Winterbienen.

Der Vielfraß: Die Drohne

Okay, ich oute mich hier mal als Feministin und sage: Bienen sind total cool, weil Drohnen im Bienenvolk nur die Aufgabe haben, die Königin zu begatten. Mehr machen die nicht. Keinen Honig sammeln, nicht im Haushalt helfen, sich nicht um die Kinder kümmern…

Spaß beiseite. Die männlichen Bienen, Drohnen, schlüpfen im Bienenvolk im Frühsommer aus den unbefruchteten Eiern der Königin. Merke: Befruchtete Eier = Arbeiterin oder Königin, unbefruchtete Eier = Drohne. Spannend ist hier tatsächlich, dass die Königin nur an der Größe der Wabenzelle merkt, ob sie ein befruchtetes oder ein unbefruchtetes Ei legen muss. Also sie läuft über die Zellen und merkt „Hm, die Zelle hier ist um ein hundertstel Millimeter größer, dann leg ich wohl ein unbefruchtetes Ei“. Crazy.

Eine Zeichnung einer Drohne
Eine Drohne

Drohnen sind größer als die Arbeiterinnen und unterscheiden sich auch deutlich von der Königin. Ihr Hinterleib ist breiter und sie haben bedeutend größere Augen und Fühler.

Also, die Jungs haben tatsächlich nur die Aufgabe, einmal in ihrem Leben die Königin zu begatten. Davor werden sie von den Arbeiterinnen gefüttert, bis sie nach etwa 10-14 Tagen geschlechtsreif sind. Dann ziehen sie aus in die weite Welt, um irgendwo eine Königin zu begatten und danach glücklich zu sterben. Falls sie das nicht tun, werden sie spätestens Anfang Herbst von den Arbeiterinnen aus dem Bienenstock gejagt, um dann zu verhungern. Irgendwie ja doch traurig. Da guckt man Biene Maja mit ganz neuen Augen.

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