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Bienen vs. Wespen: Die einen gut, die anderen schlecht?

24. Oktober 2019Michelle Klein

Hallöchen liebe Naturfreunde, Bienen-Interessierte und Wespen-Hasser. Heute erzähle ich euch etwas über den Unterschied zwischen Bienen und Wespen. Manche von euch werden mich für vollkommen bekloppt halten, unter anderem die Imker unter euch. Allerdings wissen tatsächlich nicht sehr viele Leute, wann es sich bei dem Besuch auf ihrem Balkon/Garten/im Café um freundliche Bienen oder nervige Wespen handelt. Außerdem möchte ich euch näherbringen, wie wichtig auch Wespen für uns sein können (so wie alle Insekten). Damit nicht unnötig viele von den kleinen (aber nervigen) Geschöpfen drauf gehen, weil sie an eurem Kuchen naschen.

Auch als Imkerin und Gartenbesitzerin habe ich natürlich mit Wespen zu tun und sie gehen mir dabei ziemlich auf den Kecks. Was auch verständlich ist, schließlich schwirren sie immer dann an, wenn man es sich mit einem leckeren Stück Kuchen auf dem Balkon gemütlich gemacht hat. Oder mit einem fetten Eisbecher im Kaffee sitzt. Oder eine Cola trinkt. Oder…ihr wisst, worauf ich hinauswill. Als Imkerin bin ich genervt von den Viechern, weil sie meine Bienen nerven. Aber meine Mädels können sich da schon ganz gut wehren. Im Gegensatz zu uns Menschen, die sich entweder mit wildem Herumschlagen, Pusten oder gar der Flucht zu helfen wissen. Übrigens, ganz fies: Diese elektrischen Wespen-Brutzelmaschinen beim Bäcker. Ich weiß nicht, ob es eine gewaltfreie Alternative dazu gibt, aber ganz wohl dabei ist mir nicht.

Wespe

Die körperlichen Unterschiede

Okay, come on: So ähnlich sind sich die beiden nicht. Die eine Gattung spielt ganz klar bei Borussia Dortmund und die andere…vielleicht bei St. Pauli? Aber ich kann verstehen, wenn man da im Eifer des Gefechts verwirrt ist. Also, nochmal zum Mitschreiben: Wespen haben auffällige schwarz-gelbe Streifen, während Bienen eher einen bräunlichen Hinterleib haben. Und wisst ihr, wen ich für die fälschliche Annahme, Bienen seien schwarz-gelb gestreift, verantwortlich mache? Genau, die Kinderserie „Biene Maja“.

Außerdem ist der Bienenkörper insgesamt eher rundlich und stark behaart, dadurch sieht sie eher flauschig aus. Und süß. Aber das ist meine persönliche Meinung. Hingegen haben Wespen nur wenig Haare und eine deutlich schmalere Körpermitte. Die Wespentaille halt. Dadurch sind sie sehr viel wendiger als meine behäbigen Mädels.

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Weil Bienen Blütennektar sammeln, haben sie zudem einen Saugrüssel, mit dem sie Nektar aus der Blüte saugen. Was übrigens auch super süß aussieht (auch wieder persönliche Meinung). Hingegen besitzen ihre gelb-schwarzen Cousinen beißende Mundwerkzeuge, mit denen sie andere Insekten verspeisen. Oder eben euer Steak.

Wespe von unten

Das Verhalten von Bienen und Wespen

An dieser Stelle erfreue ich euch mit einer kleinen Anekdote von mir. Ich hatte mal eine Arbeitskollegin, die meinte doch ernsthaft: „Warum soll ich denn bienenfreundliche Blumen bei mir auf dem Balkon pflanzen, dann hab‘ ich die Dinger ja in der Wohnung.“ FALSCH. Also, Bienen fliegen nicht einfach so in eure Wohnung, und sie interessieren sich auch einen (tschuldigung) scheißdreck für euren Kuchen. Nö, die Mädels stehen auf eure Blumen, und orientieren sich tagsüber immer am Licht, nicht am Dunklen. Deswegen habt ihr zwar Stubenfliegen im Haus, aber keine Bienen.

Wespen auf Teilchen
Wespen!
Bienen in Flugloch
Bienen!

Zwar haben sowohl Bienen als auch ihre schlanken Nachahmer einen Stachel, allerdings gibt es auch hier einen entscheidenden Unterschied: Bienen verlieren ihren Stachel, wenn sie zugestochen haben. Und dann nippeln sie ab. Dementsprechend überlegen es sich Bienen zweimal, bevor sie sich opfern, um das Volk zu verteidigen. Da frage ich mich, warum sich Mutter Natur das ausgedacht hat. Wespen hingegen können ihren Stachel so oft benutzen, wie sie wollen. Sie setzen ihn zum Beispiel auch ein, um Beute zu jagen. Das Gift betäubt das Opfer oder tötet es sofort.

Warum auch Wespen nützlich für uns sind

Warum sollen diese nervigen Viecher für uns jetzt irgendeinen Nutzen haben? Zuerst möchte ich euch noch mit dieser Information füttern: Von den mehr als 500 Wespenarten sind nur zwei scharf auf euren Kuchen: Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Also haben wir hier zwei Klassenclowns, die der gesamten Klasse nachsitzen einhandeln. Oder in diesem Fall: Dafür sorgen, dass Wespen vergiftet, geröstet und ausgeräuchert werden.

Wespe
Wespen auf Teilchen

Dabei bestäuben sie ebenso wie Bienen und Hummeln Blüten und tragen zu einer reichen Ernte bei. Wer hätte das gedacht! Außerdem verspeisen sie eifrig andere Insekten, die uns Menschen lästig werden können: Zum Beispiel verschiedene Fliegenarten, Raupen, Heuschrecken und Baumschädlinge.

Und genau die brauchen sie, um ihre Brut mit Eiweiß zu versorgen. Das ist ein weiterer Unterschied: Während Bienen ihre Nachkommen mit Pollen und Honig füttern, tun Wespen dies mit Insektenbrei. Klingt irgendwie martialisch, oder? Fleischfressende Insekten? Also, ich wollte euch eigentlich keine Angst vor den Dingern machen 😀

So, und im Herbst, wenn die Brut aufgezogen ist, geht es dann daran, die jungen Königinnen für den Winter fit zu machen. Dafür brauchen unsere Freunde zuckerreiche Nahrung und machen sich über euren Kuchen, eure Cola und euer Steak her. Übrigens sind die Königinnen die einzigen, die den Winter überleben.

Wie gehe ich richtig mit ihnen um?

Wie schon im Hitchhiker’s Guide tot he Galaxy recht treffend formuliert: Don’t Panic. Denn zuschlagen oder wild mit den Armen rumfuchteln ist keine gute Idee. Auch wegpusten solltet ihr die Wespen nicht, denn sie sehen das Kohlendioxid in eurem Atem als Alarmsignal. Also gilt: Speisen und Getränke im Freien abdecken und Reste gleich wegräumen. Zudem sollte man Abfälle sowieso nicht rumliegen lassen. Außerdem empfiehlt es sich, mit einem Strohhalm zu trinken, weil so keine Wespe in euren Mund gelangen kann. Seid außerdem beim Barfußlaufen vorsichtig.

Tatsächlich hat sich die Ablenkfütterung bewährt! Dafür braucht ihr ein paar überreife Trauben, die ihr einfach etwa 5 bis 10 Meter von euch entfernt platziert. Oder ihr probiert etwas davon:

Übrigens, falls ihr bei euch ein Nest in ungünstiger Lage entdecken solltet: Lasst es von einem Fachkundigen vor Ort umsiedeln. Und falls ihr eine Abtötung nicht vermeiden könnt, wendet euch an einen ökologisch arbeitenden Schädlingsbekämpfer (z.B. hier)

Und wenn ihr trotz Vorsicht gestochen werdet, kühlt den Stich schnell und geht bei Allergieverdacht sofort zum Arzt!

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