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Die Winterbienen: Was machen Bienen im Winter?

21. November 2019Michelle Klein

Hallo liebe Bienen-Freunde und Interessierte, heute erzähle ich euch ein bisschen etwas darüber, was Bienen so im Winter machen. Im Winter gibt es nämlich andere Bienen als im Sommer, nämlich die Winterbienen. Doch warum hat sich die Natur das eigentlich ausgedacht? Das möchte ich euch heute vorstellen.

Sommerbienen vs. Winterbienen

In meinem Blogpost über das Bienenvolk habe ich euch ja schon ein bisschen etwas über die verschiedenen Bienen-Geschlechter erzählt. Neben der Unterscheidung zwischen ArbeiterinDrohne und Königin gibt es allerdings auch einen Unterschied zwischen Bienen, die im Sommer geboren werden und Bienen, die im Winter geboren werden. Also so genannte Sommer- bzw. Winterbienen. Dabei sind Sommerbienen quasi die „klassischen“ Bienen, die uns in Frühling und Sommer auf Wiesen und in unseren Gärten begegnen. Sie werden etwa fünf bis sechs Wochen alt – das heißt, es kann von Frühling bis Spätsommer mehrere Generationen an Sommerbienen geben. Wie in meinem Blogpost erklärt, durchlaufen sie mehrere „Jobs“ in ihrem Leben. Außerdem ist natürlich die Bienenmasse, also die Anzahl an Bienen, in dieser Zeit erheblich größer, da alle fleißig dabei helfen müssen, genügend Nahrung zu sammeln.

Bienenstöcke mit Schnee

Wie sieht es jetzt mit den Winterbienen aus? Ganz interessant ist an dieser Stelle, dass lediglich die Temperatur im Brutnest entscheidet, ob eine Sommer- oder Winterbiene schlüpft. Heißt also, wenn es im Frühherbst kühler wird, schaltet das Bienenvolk automatisch auf Winterproduktion um. Im Gegensatz zu Sommerbienen hat die Winterbiene einfach weniger zu tun (es gibt ja nichts mehr zu holen) und lebt deswegen erheblich länger. Bis zu neun Monate! Gut, immer noch nichts im Vergleich zu den 5 Jahren der Königin, aber immerhin. Grundsätzlich ist die Hauptaufgabe der Winterbiene, das Volk durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Dafür futtert sie sich mit Pollen ordentlich was an und legt sich ein Fett-Eiweiß-Polster in ihrem Hinterleib an. Dieses Pölsterchen dient dann zur Ernährung der ersten Brut im kommenden Frühjahr, die von dieser Generation Bienen aufgezogen wird.

Vorbereitungen für den Winter

Da Bienen im Winter ihren Stock für ein paar Monate nicht verlassen, ist es zunächst wichtig, genügend Proviant anzuschaffen – und das schon im Sommer. So lagern sie für den Winter etwa 10 kg Honig ein. An dieser Stelle kommt oft der Imker ins Spiel. Weil wir Imker den Bienen im Sommer einen großen Teil ihres Honigs klauen, müssen wir im Spätsommer anfangen, aufzufüttern. Das heißt, wir bereiten Zuckersirup in einem bestimmten Verhältnis zu und füllen diesen in so genannte „Futtertaschen“, die im Bienenstock hängen. Da drin sind kleine Schwimmplattformen, von denen aus sich die Bienen den Sirup holen und dann wie bei normalem Nektar eindicken und einlagern können. Das sollte man quasi direkt nach der zweiten Ernte machen, damit die Bienen noch mobil genug sind, den Sirup zu verstauen. 

Holzrähmchen mit Bienen von oben
Eimer mit Zuckersirup

Natürlich kann man auch mit eigenem Honig auffüttern. Und natürlich ist das alles unter Imkern auch umstritten, weil viele der Meinung sind, dass man den Bienen gar keinen Honig wegnehmen sollte. Also wie immer: Viel Stoff für Diskussionen. Danach ist es wichtig, den Bienenstock regelmäßig zu wiegen, um zu sehen, ob das Volk genug Futter eingelagert hat. Wenn es zwischendurch noch etwas wärmer wird, muss ich aufpassen, weil die Bienen dann wieder mehr verbrennen. Also habe ich dieses Jahr tatsächlich drei Mal aufgefüttert. Wenn es dann kälter ist, kann man noch eine „Notfütterung“ durchführen, dann aber mit Futterteig. Auch der wird auch aus Wasser und Zucker hergestellt, allerdings Puderzucker. Quasi Fondant. Und der wird dann oben draufgelegt. Das musste ich allerdings noch nie machen.

Bienen im Winter: Zeit zum Kuscheln!

Ich finde ja, das klingt immer total gemütlich: Etwa 10.000 Bienen kuscheln sich im Winter zusammen und halten sich so warm. Übrigens: Hühner machen das mit dem Zusammenkuscheln auch ganz gerne. Wir Menschen ja sowieso. Doch warum machen die Bienen das?

So, genügend Proviant in Form von Honig ist eingelagert, doch wenn es kälter wird, wird der Honig zäh und kann von den Bienen nicht so einfach aufgenommen werden. Schließlich haben sie einen Rüssel und eine Zunge, aber keine Zähne (stellt euch das mal vor :D). Also rücken die Winterbienen ganz eng zusammen und bilden die so genannte „Wintertraube“, mit der Königin in der Mitte. Wenn die Temperatur im Bienenstock dann unter 10°C fällt, zittern ihn die Winterbienen erst einmal einen Tag warm. Dazu klinken sie ihre Flügel sozusagen aus, damit sie nicht abheben, und erzeugen mit ihrer Flugmuskulatur ein Muskelzittern. So können sie übrigens auch einen Winter bei zweistelligen Minusgraden überleben! Jetzt ist der Honig wieder flüssig genug, um ihn zu verspeisen. Übrigens können die Bienen ihren Stock sogar bis zu 30 Grad aufheizen.

Holzrähmchen mit Bienen von oben

Auch im Winter: Nicht nur sauber, sondern rein

Jetzt stellt euch mal vor, ihr dürftet den ganzen Winter lang das Haus nicht verlassen und könntet auch nicht auf’s Klo gehen. Stelle ich mir schwierig vor. Aber genau das machen die Bienen den ganzen Winter lang: Sie halten ein, und zwar alle 10-15.000 Individuen. Ganz ehrlich, ich find’s krass. Und das machen sie natürlich, um ihren Stock sauber zu halten. Obwohl es im Bienenstock sehr warm ist und auch feucht werden kann, haben Bakterien und Keime keine Chance. Denn die Bienen überziehen alles mit einer Schicht aus Pflanzenharzen, genannt Propolis. Übrigens: Das ist ein wahres Wundermittel, denn es wirkt antibiotisch und antiviral, tötet also selbst Pilze und Viren ab. Aber dazu erzähle ich euch ein anderes Mal etwas. 

Holzrähmchen von oben

Und im Frühjahr bei den ersten warmen Temperaturen schwärmen dann alle Mädels aus und gehen erstmal auf’s Klo. Das ist der so genannte Reinigungsflug. Die Vorstellung ist einfach herrlich!

Und was macht der Imker im Winter?

Tja, und was mache ich im Winter? Zunächst einmal muss ich natürlich auffüttern, aber das mache ich ja schon im Spätsommer. Wenn es nachts das erste Mal friert, mache ich Mäusegitter vor das Flugloch – einfach Kaninchendraht, der mit Reißzwecken befestigt wird. Und wie der Name schon sagt, schützt es meine Bienen vor Mäusen, die es sich bei den eisigen Temperaturen im Stock schön kuschelig machen wollen. Natürlich will ich das nicht, das würde ungemeinenStress für das Volk bedeuten.

Bienenstöcke mit Mäusegitter
Holzrähmchen ohne Wachsplatten

Bis Dezember habe ich dann eigentlich nichts zu tun, außer mein Equipment und alte, aussortierte Holzrähmchen zu reinigen. Die tragen natürlich noch Wachs- und Honigreste an sich und müssen zur Vernichtung von Bakterien abgeflämmt werden. Das heißt, ich kann mit dem Flammenwerfer rumspielen 😀 

Den Bienenstock öffne ich in der Zeit natürlich auf keinen Fall, ich möchte ja nicht die von den Bienen hart erarbeitete Temperatur kaputt machen. Außer einmal, etwa im Dezember: Da öffne ich die Beuten einmal, um die Bienen mit Oxalsäure zu behandeln. Das ist ein weiterer Schritt der jährlichen Varroa-Behandlung. Aber das ist auch wieder Stoff für einen anderen Blogpost.

Und im Frühjahr geht’s dann wieder von vorne los!

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